Gestern war es nun endlich wieder soweit und die Tore des alljährlichen Kinder- und Heimatfestes öffneten sich. Voller Vorfreude marschierte ich auf direktem Wege in Richtung Ausschank, na ja, nicht ganz auf direkten Wege, sollte ich doch unterwegs einen guten alten Freund treffen, der für dieses Hochfest der Heimatliebe extra aus der Schweiz angereist war. Nachdem ich mir dann eine Maß Spezi besorgt hatte, fand ich mich mit den Schweizer Besuchern und weiteren waschechten Laupheimern zusammen. Nun hieß es, eine ordentliche Mahlzeit aufzutreiben. Die Frage nach dem Was stellt sich beim Kinderfescht gar nicht und so übernahm ich auch prompt die Führungsrolle, um an jenen heiligen Ort zu pilgern, wo sich Hähnchen vor der Heizwand drehen und saftiges Fleisch auf dem Grill brutzelt. Der Typ aus der Schweiz hatte nun rege Damenbegleitung im Handgepäck, unter anderem ein Mädchen aus good old Canada. Sie wollte unbedingt etwas typisch Schwäbisches speisen und so war es ein faszinierendes Erlebnis, dass sie tatsächlich einen testosterontriefenden Grillfleischknauzen essen sollte. Bis es allerdings dazu kam, stand noch ein harter Kampf vor uns…

Es begab sich, dass just in dem Moment, als wir beschlossen, Essen zu kaufen, ein wirklich atemberaubender Sturm über dem Festplatz hereinbrach. Der Himmel verfinsterte sich, der Wind wirbelte die Blätter umher und die Menschen strömten in regelrechten Massen in die Bierzelte, denn der Regen würde nicht mehr lange auf sich warten lassen. Für mich genau der richtige Moment den Grillstand aufzusuchen, aber weit gefehlt. Offenbar waren wir nicht die einzigen, die die Gunst der Stunde zu nutzen wussten, es war eine gewaltige Schlange und alle wollten sie nur das Eine: Hähnchen zum Sonderpreis. Als mich die Kanadierin fragte, ob ich außer Schwäbisch noch andere deutsche Dialekte beherrschte, fing ich an, meine bescheidenen Kenntnisse des Sächsischen und auch des Bayrischen zum Besten zu geben. Welche Ironie des Schicksals, als sich nun ein freundlicher Herr vor uns in der Schlange umdrehte und meinte: “Naa, in Boarisch däädi dia an Viera gem. Oba Schwäbisch konnst scho ganz nett.”

Dann ging das Desaster los. Regentropfen dick wie Ratten prasselten auf uns nieder. Für die Grillmeisterschaft Grund genug, die Zugänge zum Hort des Fleisches mit regenfesten Planen zu verschließen. Und schlagartig standen wir ausgeschlossen vor einer schier unüberwindbaren Wand aus Zeltstoff! Auf ewig getrennt von Fett und totem Tier! Aber nein, so leicht würde ich nicht aufgeben. Mit letzter Kraft und feuchten Kleidern pressten wir uns hinter die Plane, wo die Menschen sich aneinander schmiegten, um ebenfalls einen Bissen von der begehrten Fleischesfrucht abzubekommen. Dann fing es auch noch an zu Hageln und zwar gehörig. Unterdessen staute sich das Wasser sintflutartig auf und nicht nur dass mein Schuhwerk wasserdurchlässig war, mir floss die Brühe von oben in die Latschen! Aber auch das konnte den Willen nicht trüben, wenn man den Geruch eines Grills in den Nüstern hat.

Kurz darauf der nächste Schock: Die füllige Dame am Grill meinte zu einem Kunden: “Hähnchen ond Grillfloisch homr grad nemme.” Sollte das heißen, wir hatten umsonst Regen und Hagel getrotzt? Das konnte nicht wahr sein. Über uns lichtete sich die Wolkendecke so langsam wieder und der Wasserstrom begann sich zu legen. Als wir dann endlich an die Reihe kamen, gab es – dem Himmel sei dank – wieder Gegrilltes und ich muss sagen: Selten einen Grillfleischknauzen so genossen, wie diesen.