Vielen ist die Novemberrevolution in Deutschland kein Begriff mehr, wird sie ja überschattet von den Ereignissen des zweiten Weltkrieges. Doch markiert sie einen wichtigen Wendepunkt in der deutschen Geschichte, führte sie doch zur ersten demokratischen Republik in Deutschland, nämlich der Weimarer Republik und markiert so den echten Beginn der Demokratie.
Der Verlauf dieser Revolution ist Thema in Klaus Kordons Buch: „Die roten Matrosen“ schon im Vorwort heißt es „Dieses Buch erzählt vom Ende eines Krieges und von einer gescheiterten Revolution“. Kordon schrieb dieses Buch nachdem er – als Dissident in der DDR – von der BRD frei gekauft wurde.
Protagonist und Erzähler ist Helmut Gebhardt, der Sohn eines Soldaten, der in einem verarmten, Berliner Arbeiterviertel lebt. Nach vier Jahren des Krieges ist dort Armut und der Hunger größer denn je. Bei weiten Teilen der Bevölkerung hat sich eine Kriegsmüdigkeit eingestellt und die damit verbundene Forderung „Frieden und Brot“. Auch ist es fast jedem offensichtlich dass der Krieg nicht mehr gewonnen werden kann.
Zur selben Zeit kehrt Helmuts Vater desillusioniert als Kriegsinvalide zurück, der sich daraufhin begeistert im Spartakusbund engagiert. Unweigerlich gerät er so, mit seiner Familie, in die Auseinandersetzungen der Novemberrevolution.
Die Revolution beginnt mit dem Kieler Matrosenaufstand, die sich weigern weiter zu kämpfen, der Aufstand weitet sich darauf zu Massenprotesten im ganzen Reich aus und führt zur Ausrufung der Republik. Dies folgt der beginnende Umbau der monarchischen Grundordnung zu einer Demokratie. Die Verantwortung für den Umbau bekamen die Sozialdemokraten, deren Ziel es war einen Bürgerkrieg zu verhindern und die alten Eliten für den Umbau gewinnen zu wollten. Die Zusammenarbeit mit dem Militär und das Zulassen der Niederschlagung der linken Proteste. Etwa durch den Ebert-Groener Pakt wurde von vielen, zu dieser Zeit, als Verrat an der Arbeiterschaft gesehen. So auch von den Protagonisten. Die blutigen Niederschlagung der radikalen Spartakusbewegung und der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht durch rechtsgerichtete Soldatenverbände spaltete dauerhaft die Linke in Weimar, was sie angreifbarer gegenüber der Rechten machte und die Demokratie schwächte.
Das Buch erzählt ausführlich und authentisch die Konflikte um die revolutionären Obleute, der Putschversuch des 6. Dezember, der Januaraufstand und vieles mehr, dies alles zu schildern, was während der Novemberrevolution passierte, würde hier den Rahmen sprengen. Dafür empfiehlt sich ein gutes Buch.
Kordons Buch vermittelt insgesamt einen tieferen, aber lohnenswerten Einblick in die Sichtweise der Spartakusbewegung. Doch empfiehlt es sich etwas historisches Hintergrundwissen zu besitzen, schlichtweg um viele Ereignisse im Buch besser einzuordnen. Denn man verliert ohne Hintergrundwissen eventuell den Überblick. Doch kann man es auch ohne historisches Wissen lesen, muss dann aber genau lesen.
Doch nur weil die Hauptfiguren Spartakisten sind – und sich so verhalten – ist das Buch nicht schlecht. Stattdessen ist es sehr authentisch und dies ist wohl die größte Stärke des Buches. Denn die gesamte Situation zur Zeiten der Novemberrevolution wurde realistisch im Kleinen dargestellt. Die Vergangenheit wird lebendig. Großartig ist wie Kordon eindrücklich die soziale Not in den Elendsvierteln beschreibt und die Menschen nicht auf ihr Elend reduziert, sondern sie mit diesem lebendig werden lässt. Nicht übertrieben in den Vordergrund wird dies gestellt, es wird als neutraler Fakt präsentiert – was sehr lesenswert ist.
So ist Kordons Buch es wert gelesen zu werden. Nicht nur weil es ein interessantes Thema ist, sondern auch weil es zum Nachdenken anregt. Eine politische Färbung sickert aber dennoch durch. Trotzdem ist es ein durchaus solides Buch.


